meine Bewertung: ★★★★⯪
Zwei Neugeborene, die in einem eisigen Wintersturm im Jahre 1876 auf der norwegischen Insel Smøla auf den Türschwellen zweier Häuser zurückgelassen werden.
Zwei Mädchen, die liebevoll von der Inselgemeinschaft aufgenommen und großgezogen werden.
Die Eine wächst bei der Wirtin des Gasthauses auf, die Andere beim Pfarrer und seiner Frau.
Zwei junge Frauen, die in ihrem Wesen und Streben nicht unterschiedlicher sein könnten.
Liv liebt die Natur, das Meer und vor allem die Raben.
Begierig, so viel wie möglich zu lernen, zu forschen und zu erkunden.
Lucia dagegen wünscht sich Häuslichkeit und schnellstmöglich eine eigene Familie.
Im 1. Band der Dilogie begleitet der Leser vor allem Liv auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter.
Die quirlige junge Frau kämpft sich mit Fleiß und Durchhaltevermögen an die Universität nach Oslo, um als einer der wenigen Frauen ihrer Zeit Zoologie zu studieren.
Ines Thorn schafft es dabei mitreißend und authentisch die unwegigen Zeiten als Studentin im 19. Jahrhundert zu beschreiben und einzufangen. Dabei spiegelt sie eindrucksvoll die inneren Konflikte Livs wider, die, mit ihrer Entscheidung zu studieren und sich der Wissenschaft zu verschreiben, gleichzeitig ein Leben in Einsamkeit gewählt hat.
Ich konnte mich mit Liv gut identifizieren, habe ihre Unruhe, aber auch ihre Leidenschaft und ihr Temperament beim Lesen gespürt.
Ich fand ihre taffe und durchbeißende Art sehr erfrischend, einnehmend und liebenswert.
Doch auch der Werdegang ihrer "Schwester" Lucia, die sich schon jung vermählt und mit ihrem Mann ebenfalls nach Oslo gezogen ist, begleitet der Leser über die Jahre hinweg immer wieder.
Durch diese Einflechtungen hat es die Autorin gleichzeitig geschafft bereits eine Brücke zum 2. Band der Reihe zu schlagen, in der es laut Klappentext um Lucias weiteren Lebensweg gehen wird.
Ich bin sehr gespannt, was mich in Lucias Geschichte erwartet, die mittlerweile vom Leben enttäuscht wieder auf ihre Heimatinsel Smøla zurückgekehrt ist.
Vor allem, da Lucia in Livs Geschichte bei mir einen klein wenig unsympathischen Eindruck hinterlassen hat.
Ich bin also sehr neugierig auf die Gedanken und Gefühle Lucias und ob sie mich nach ihrer Geschichte vielleicht doch noch für sich gewinnen kann.
Besonders spannend neben der Idee der Findelkinder, fand ich die Einflechtung zahlreicher wissenswerter Fakten, die mich mal wieder verleitet haben weiter im Internet zu recherchieren.
Oder wusstest du, das die Hauptstadt Oslo im 19. Jhd. noch Christiania hieß oder dass der Nobelpreis, auch über 100 Jahre später noch, aus den Zinsen der Stiftungsgelder von Alfred Nobel generiert werden und deswegen jährlich schwanken?
Einer der Gründe, warum ich es liebe historische Romane zu lesen.






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